Einzelcoaching in Unternehmen – Erfolgsrezept oder Verschwendung?

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Max ist ein junger Kollege, clever, brillant und engagiert. Er fragt wegen Einzelcoaching an, weil er zunehmend Schwierigkeiten im Team bekam.

Bestimmte Situationen und Personen brachten den sonst ruhigen und hilfsbereiten Max in Rage. Plötzlich wurde er dann laut und aggressiv. Immer öfter kam es vor, dass er wutschnaubend und Türen knallend aus dem Raum stürmte. Es wurde so extrem, dass einzelne Kollegen inzwischen Angst vor ihm hatten. Nicht nur das Team und die Kollegen litten unter diesen Ausbrüchen, sondern auch Max selbst. Oft ging er dann frustriert und aufgewühlt nach Hause und kam mit einem unguten Gefühl am nächsten Tag wieder in die Firma. Nicht nur er dachte dann daran, sich eine andere Stelle zu suchen, auch den Kollegen kam inzwischen das Wort „Kündigung“ in den Sinn.

Mit der Entscheidung für ein Einzelcoaching zog Max die Notbremse. Nach einem ersten Gespräch, in dem Max sein Anliegen und die Hintergründe erklärte, spezifizierte er sein Ziel für diesen Prozess. Es dauerte eine Weile, bis am Flipchart ein Zielsatz stand, der alle Bedingungen erfüllte (SMART).

Max ging es darum, im Coaching seine unbewussten und unkontrollierten Reaktionen auf bestimmte Reize selbst steuern zu lernen. Dazu musste er erst einmal herausfinden, welche Reize das genau waren und welche Reaktionen er bei sich beobachten konnte. Dazu war ein Tagebuch ein hervorragendes Hilfsmittel. In den folgenden Coachingsitzungen lernte er mehr über sich und die mit seinem Verhalten verbundenen psychischen Prozesse. Mit Hilfe des Coaches entwickelte und probierte er verschiedene Methoden aus, sein automatisches Reiz-Reaktions-Verhalten zu unterbrechen und zu beeinflussen. Das erforderte viel Ausprobieren und Üben zwischen den einzelnen Sitzungen, aber letztendlich war Max erfolgreich.

Nach zirka zehn Sitzungen hat er es geschafft, wie er es selbst ausdrückte, sich vom „größten A**loch im Team“ zum Musterknaben zu entwickeln. Sein Team bestätigte ihm seine eigene Einschätzung im Feedback.

Was waren nun der Nutzen des Coachings?

Dem Aufwand von 12 Sitzungen á eineinhalb Stunden (= 36 Stunden x 100 € = 3.600 €) steht in diesem Fall vermutlich eine vermiedene Kündigung gegenüber (Kosten zirka 150.000–200.000 €).

Max und sein Team beschäftigen sich wieder voll mit ihrer eigentlichen Aufgabe – ohne befürchten zu müssen, dass ein falsches Wort den nächsten Teamkonflikt heraufbeschwört.

Nach einem Auswertungsgespräch am Ende des Coachings wurde mit Max vereinbart, wie eine Nachbetreuung aussehen soll, um Rückfälle in alte Verhaltensmuster möglichst zu vermeiden.

Für Max und sein Team hat sich das Einzelcoaching als extrem wertvoll herausgestellt – welchen Nutzen hat dieses Instrument aber ganz allgemein?

Grundsätzlich lassen sich mit Coaching persönliche Defizite verringern oder vorhandene Potentiale weiterentwickeln.

Dabei gibt es für mich drei wesentliche Schritte:

  1. Klärung
  2. Befreiung
  3. Verwirklichung